Den Geist von Pfingsten spüren

 

Hören, sehen, riechen, fühlen - die mitwirkenden Kirchengemeinden ließen Pfingsten mit allen Sinnen lebendig werden und haben sich wieder einiges einfallen lassen. 

Entscheiden war nicht ganz einfach: wohin gehen, welchen Gottesdienst, welches Konzert, welches außergewöhnliche Angebot besuchen? 

Ganz besinnlich und ruhig zum Beispiel in der Leonhardskirche. Sanft erklingt hier die Orgel beim Abendlob zum liturgischen Gesang von Wolfgang Kutter und Reinhard Brandhorst, dem ehemaligen Pfarrer der Leonhardskirche, während vorn auf dem Altar ein Stück Weihrauch seinen Duft verströmt. Ein Atemholen, Innehalten, Ankommen und dem Geist nachspüren, ehe es zur nächsten Kirche geht.

Dort weht heute ein vielsprachiger Geist. In der Stiftskirche wird der Besucher zu Pfingsten  auf französisch, finnisch, japanisch oder aramäisch begrüßt. Die Pfingstgeschichte folgt auf polnisch, portugiesisch und farsi. Schließlich singt ein Mann ein Lied über den Geist von Pfingsten auf  arabisch. „Trotz dieser vielen Sprachen ist es möglich, einander zu verstehen“, erklärt City-Diakonin Cornelia Götz zum Abschluss. „Denn die Freude kann man teilen ohne große Worte“ sagt sie und strahlt.

Im Hospitalhof  wehen heute Abend verschiedene Geister. Gustav Schwab, Johann Heinrich von Dannecker,  Leonhard Lechner und Karl Adler waren allesamt mit dem Hospitalviertel verbunden. Ihnen widmen Pfarrer Eberhard Schwarz und Hospitalhofleiterin Monika Renninger jeweils Gedanken und Texte. Wer schon vor der vollen Stunde auftaucht, der kann sich mit einem Getränk erst einmal gemütlich niederlassen, ehe es losgeht. Eine Büste zeigt den jünglingshaften Dannecker. Zu Karl Adler erklingt ein Orgelstück, original aus jener Zeit. Monika Renninger erklärt, in welchem Zusammenhang die benachbarte Synagoge, das Rotebühlzentrum, der Hospitalhof und Karl Adler stehen.  

Auf der West-Tour gibt es wiederum die Möglichkeit, dem Pfingstgeist mit den Füßen nachzuspüren. Im Brunnenhof der Paul-Gerhardt-Kirche leuchten unzählige Lichter und bilden zusammen ein Labyrinth, durch das der Besucher, begleitet von Taizé-Gesängen und Flötenmusik, wandeln kann. An einer Säule am Eingang hängt ein Schild, auf dem verschiedene Betrachtungen zu Pfingsten und zu Labyrinthen zum Nachdenken einladen. Im Hintergrund plätschert leise der Brunnen dazu. Eine Familie kommt auf dem Nachhauseweg vom Pfingstkonzert in der Pauluskirche vorbei und macht sich auf den Weg durch den leuchtenden Irrgarten. Auch für spätere Nachtschwärmer bleiben die Lichter noch an, „wir werden sie erst gegen 24 Uhr löschen“, erklärt Pfarrer Jörg Novak. 

In der Matthäuskirche ließ man den Pfingstgeist wieder mit einem Dreierschritt Einzug halten: Ton - Wort - Raum. Ulrich Stierle legte mit Orgelmusik vor, Rudolf Guckelsberger las dann die Pfingstgeschichte in verschiedenen Übersetzungen, und Pfarrer Siegfried Schwenzer wiederum erzählte dann noch vom Heslacher Dom und den Besonderheiten dieses Kirchengebäudes. 

In der Vaihinger Stadtkirche durften die Pfingstnachtbesucher Ohrenzeugen werden vom feinen Pfingstgeist, der sich über die Musik vermittelt. Nach einem geistlichen Konzert, Orgel- und Kirchenführungen saßen die nächtlichen Ausflügler gemeinsam in den Reihen und lauschten den abschließenden Worten von Pfarrerin Miriam Hechler. Auch hier: die nächtliche Gemeinschaft macht den Pfingstgeist spürbar. 

21 Kirchen beteiligten sich dieses Mal an der Nacht der offenen Kirchen. Neben den bereits genannten wirkten aus dem Kirchenkreis mit: Schlosskirche, Rosenbergkirche, Pauluskirche, Johanneskirche, Friedenskirche, Lukaskirche, Michaelskirche Degerloch, Michaelskirche Wangen, Kreuzkirche, Stadtkirche Bad Cannstatt, Sommerrainkirche, Ökumenisches Zentrum Neugereut, Veitskapelle.